sternenwanderin - Mi, 20. Aug, 16:30
Gestern Abend habe ich mich dazu entschlossen, von der Prüfung zurückzutreten.
Ausschlaggebend war die Antwort meiner Linguistik-Professorin auf die Frage, ob sie mich auch im nächsten Semester prüfen würde – ja. Da dies mein absolutes Hass- und Problemfach ist, war es mir so wichtig von IHR geprüft zu werden. In Pädagogik ist das gar kein Problem, mein Prof übernimmt mich auch, in HSU ist leider absoluter Personalmangel, eine Prüferin habe ich, wie das mit einem weiteren Prüfer aussieht, steht noch in den Sternen, das weiß niemand. Ich habe eine Mail ans Rektorat geschrieben, aber ob sich die hohen Herrschaften jemals melden bleibt fraglich. Und mein Lieblings-Literatur Dozent ist noch im Urlaub. Ob er mich auch übernehmen wird, weiß ich nicht. Ein „Nein“ muss ich in Kauf nehmen, auch wenn es sehr, sehr schade wäre.
Morgen werde ich ins Prüfungsamt gehen. Ein bisschen Angst bleibt, dass es nicht so klappt, wie ich es mir vorstelle. Aber das wird schon, warum sollte es nicht? Ich habe ein Recht dazu, zurückzutreten und auch meine Arbeit will ich ja schreiben. Nun, morgen wird sich das dann klären.
Viel wichtiger ist mir aber etwas anderes. Mir ist gestern Abend, ganz plötzlich, etwas klar geworden. Die ganze Zeit habe ich mich wegen meiner Entscheidungen gerechtfertigt, habe versucht, andere vielleicht davon zu überzeugen, habe mich auch immer daran geklammert, was denn die anderen machen, ich habe gewünscht, dass ich das nicht alleine machen muss, damit ich wenn etwas schief läuft, nicht alleine da stehe. So ein Quatsch! Gestern Abend, als ich darüber nachdachte und mir plötzlich klar wurde, dass ICH diese Entscheidung getroffen habe, ohne von irgendwem abhängig zu sein, weil es eben MEIN Leben ist, war ich so was von gelöst, ich habe im Bett gelegen und laut angefangen zu lachen! Ja, verdammt, es ist mein Leben und ICH entscheide darüber, ich bin niemandem Rechenschaft schuldig, ich werde auch meinen Weg gehen, aber ich MEINEM Tempo, und dass muss ich nicht rechtfertigen. Und ich kann Dinge alleine machen, weil ich es eben KANN. Ich bin nicht abhängig und meine Entscheidungen, die mein Leben betreffen, sind eben meine Entscheidungen, und die treffe ich ganz alleine.
Ich konnte nicht mehr einschlafen gestern, als mir klar wurde, welchen Schritt ich in meinem Kopf gemacht habe, plötzlich war ich hellwach. Ja, verdammt, plötzlich ist diese Entscheidung, diese Feststellung einfach da, und ich weiß dass ich gestern, nein, in den ganzen Tagen ziemlich gewachsen bin. An und in mir. Wirklich, mir ist das so klar geworden, dieses „ich gehe meinen Weg nach meiner Karte und in meinem Tempo“. Sollen die Menschen doch doof gucken, sollen sie mir doch zeigen, wie gut, wie schnell, wie toll sie ihren Weg gehen. Aber ich werde ihnen dann alles Gute wünschen und endlich, endlich stolz auf mich sein, dass ich den für mich vorgesehenen Weg gehe, und mich nicht auf den Weg der anderen quälen muss.
Gestern Abend konnte ich es gar nicht fassen, ich hätte einfach so weinen können, ja ehrlich, aber vor Glück! Ich kann es gar nicht beschreiben, aber dieses innere Gefühl ist ein Meilenstein für mich. Ja – ich bin ein Stück gewachsen.
sternenwanderin - Mi, 20. Aug, 08:46
Mir ist danach Musik zu hören, laut mitzusingen und Mandalas auszumalen. Ich mache es nicht, weil... warum weiß ich auch nicht.
Aber ich singe laut mit. Ich sitze da und singe laut mit.
Ich weiß, ich heul ziemlich doll rum die letzten Tage. Es nervt mich ja schon selbst. Die Energie, die ich ins rumgrummeln stecke, die hätte ich eigentlich auch anderweitig gut investieren können. Was solls, ist halt eben so. Singe ich eben weiter.
Ich mache mir immer mehr Gedanken darüber, was ich eigentlich nach meinem Abschluss machen will, wie es weitergehen soll. Bekloppt, denn eigentlich steht der Weg ja fest: Referendariat und dann Lehrer-job. Aber stattdessen überlege ich, was ich eigentlich wirklich will, so wie andere Abschlussjahrgangsschüler sich überlegen, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollen... Das mache ich jetzt. Das ist irgendwie ein wenig unkonventionell, denn schließlich: Wozu habe ich denn dann studiert? Ach, ich werde schon als Lehrerin arbeiten. Oder vielleicht doch nicht (nur)? Mal sehen. Erstmal müsste ich den Abschluss ja schaffen.
An dieser Stelle möchte ich nochmal explizit darauf hinweisen, dass ich mein Examen nicht "einfach verschieben" kann. Ich bin offiziell zum Examen gemeldet und zwar zur Blockprüfung. Wenn ich einen Monat mehr Zeit für meine Examensarbeit haben möchte, dann muss ich komplett von der Prüfung zurücktreten, dann werde ich keine mündlichen Prüfungen machen, sondern erst im Frühling. Auch MUSS ich meine Examensarbeit jetzt schreiben, da führt keine Weg dran vorbei. Und auch meine Prüfer werde ich nicht notgedrungen behalten können. Man muss sich seine Prüfer suchen und bei ihnen anmelden, sie müssen Plätze haben und überhaupt verfügbar sein. Und dieses ganze "ich bewerbe mich mal eben bei einem Prüfer" ist nicht wirklich so einfach. Zumal meine Linguistik-Pofessorin nächstes Semester nicht da ist. Sie "laufen" mir also doch weg. Deswegen WILL ich nicht wirklich von der Prüfung zurücktreten. Das müsste ich dann auch wieder offiziell machen... und auf dieses ganze Hin und Her habe ich einfach keine Lust. Eigentlich WILL ich es ja doch noch packen,... auch wenns utopisch ist eigentlich... Nein, es ist nicht so einfach für MICH, egal wie es für andere sein mag. Ich hatte mir das vorgenommen und kanns nicht einhalten, und DAS wurmt mich noch mal dreifach mehr. *lach* Just in diesem Moment schallt aus meinen Boxen "saaay gooodbye, saaaaaaay gooooodbye"... Was für ein überaus passender Moment. Singe ich also erstmal einfach weiter.
Meine Beine tun wirklich weh. Nein, nicht die Beine, sondern eher die Gelenke von Oberschenkel und Hüfte, wie auch immer man das nennt. Beim gehen tut es höllisch weh, ich krüppel nur so vor mich hin. Und ja, morgen gehe ich freiwillig zum Arzt. Eigentlich auch nur aus einem Grund: Ich habe Angst, es könnte was Schlimmes sein, dass mir meine Pilgerpläne auf dem Jakobsweg durchkreuzen könnte. Nein ehrlich, ich werde den Weg gehen, und damit ich das auch nicht gefährde, werde ich morgen nach der Arbeit zum Arzt gehen.- Eigentlich hatte ich morgen und übermorgen ja frei, aber wenn Chef ruft, muss ich springen.- Ich singe einfach weiter.
... was I crazy? Crazy? sometimes, it´s so unfair...
Heute habe ich mir ein Zugticket gekauft. Jetzt bin ich erstmal pleite. Aber: Das macht nichts. Denn: ICH FREUE MICH AUF MEINEN URLAUB BEI DIR! Anni alleine unterwegs- und das mit Zug. Das kann was werden, ich darf gar nicht drüber nachdenken. Ich mache ´nen Roadtrip für mich draus, ich weiß, dass ich es brauche... Einfach weg hier, raus hier, kein Penny, keine Kommilitonen, die mich verrrückt machen... Meine Sachen für die Examensarbeit werde ich mitnehmen, aber: Am meisten freue ich mich auf DICH. Und dass ich freiwillig so weit alleine mit dem Zug fahre, darauf darfste dir sogar mal was einbilden, du weisst, ich bin ein Zugfahrschisser, auch wenn ichs genieße, wenn ich erstmal weiß, dass ich richtig bin.
So lange aber singe ich erstmal weiter... Einfach singen...
Oder wie Dori aus "Findet Nemo" trällern würde: "Einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen...!"
Wie Recht sie hat!
sternenwanderin - Mo, 18. Aug, 17:57
Es ist so bescheuert, ich bin gerade einfach ratlos, sprachlos, ich-los….
Ich weiß nicht WOHIN ich gehöre, nein, ich weiß eher nicht wohin ich eigentlich will…
Ich liege in der Wanne, das Wasser ist heiß und plötzlich läuft mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. Es macht mich wahnsinnig, dieses „wohin will ich eigentlich“. Tränen laufen mir über das Gesicht und ich verzweifle über dem Gedanken, der sich nicht formen will… Da ist einfach nur ein Fragezeichen.
Ich weiß ich sollte mich mehr zusammenreißen, aber ich kann nicht aufhören zu grübeln. Das war schon der zweite Tränenausbruch heute. Und jedes Mal aus Wut der Verzweiflung. Zwar durch unterschiedliche Anstöße, aber doch läuft es auf dasselbe hinaus. Irgendwie. Oder eben auch nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht…
Es regt mich alles auf, ich denke in leeren Sphären, ich träume in hellgrauen Farben, ich verkrampfe mich so, dass ich scharfe Tränen weine. Ich bin wütend, ich bin einfach wütend.
Ich schreibe es hier auf und schon wieder steigen Tränen auf. Ich bin so wütend, auf all diese scheiß Vorgaben, auf alle Normen, auf alle Vorstellungen der Welt da draußen, auf meine Mutter, auf mich selbst, ich habe das Gefühl ich laufe in die völlig falsche Richtung. Ich bin so schweine-wütend…
Ich warte darauf, dass diese Leere endlich weggeht, ich sehne mich nach einer Umarmung, ich will endlich wieder denken können, egal aus welchem Grund, aber bitte, lass mich endlich wieder produktiv werden… Ich weiß, was ich noch machen muss, und danach werde ich endlich MEIN Vorhaben anpacken. Aber bitte, lass mich endlich das alles zu ende bringen, damit ich Neues anfangen kann!
Und vor allem sollten diese „was wäre gewesen, wenn…“-Gedanken aufhören, die helfen mir kein Stück weiter. Scheiße, bin ich wütend… Ihr könnt mich alle mal, irgendwann zeig ich euch, wer ich bin und was ich eigentlich kann!
...und sie setzte sich in ein Boot und trieb davon...
sternenwanderin - So, 17. Aug, 21:13
Was mich immer wieder, unabhängig von der Situation, aufregt, ist diese „Überraschtheit“, wenn man sich plötzlich mal nicht so verhält, wie die Leute es gewohnt sind.
Wenn man aus der altbekannten Rolle fällt, ist gleich irgendwie alles in Aufruhr.
Was mich aufregt, ist dieses ständige „sich erklären müssen“. Dieser Rechtfertigungsdruck gegenüber bestimmter Gruppen, ob nun vom Gegenüber gefordert, oder von mir selbst auferlegt. Manchmal verhält man sich eben, ohne dass man etwas erklären will. Manchmal fühlt es sich an wie Nötigung, manchmal muss ich es von mir selbst aus, obwohl es sich schmerzend anfühlt. Und vor allem: Man muss sich ständig wiederholen.
Ich würde mir so wünschen, dass ich in Zukunft einfach mehr ich sein kann, ohne mich zwingend zu erklären, warum, wieso und weshalb ich mich wie verhalte. Ich will mich auch nicht mehr vor mir selbst rechtfertigen müssen… Wenn ich etwas erkläre, dann weil ich es so will, weil ich es aus freien Stücken tue… Es kommt so oft vor, dass ich mich erklären muss, ohne dass ich selbst schon weiß, was ich will. Und dann kommen halbfertige Sachen raus, die mich selbst verwirren, nur weil ich notgedrungen etwas erklären muss. Und ist erstmal eine notgedrungene Erklärung geäußert, ist es schwer sie hinterher wieder zu relativieren, sollte man feststellen, dass sie nicht zutrifft.
Dann kommt das große „Oooh“ und „Aaah“ und alle Welt sagt „haben wir doch gleich gesagt“ und dabei haben sie nicht den Hauch einer Ahnung, denn was wirklich zählt, ist der Prozess in MIR, der keineswegs so abläuft, wie sie denken, und während des Prozesses ist keineswegs klar, dass es so kommt, wie die ganzen Hobby-Propheten da draußen vorausgesagt haben.
Manchmal falle ich eben aus der Rolle. Na und? Keine Angst da draußen, ich werde euch schon wieder genügen. Aber bitte lasst mich auch mal zweifeln, nachdenken und mich verrennen, mich irren, lasst mich doch verdammt noch mal auch mal scheitern. Ich werde nur dann weiterkommen, wenn ich nicht immer alles richtig mache, wenn ich euch auch mal nicht genüge.
Ich bin nicht perfekt, will nicht perfekt sein und werde auch nie perfekt sein. Ich mache Fehler, ich rede Unsinn, ich drücke mich falsch aus und ich bin auch mal ungerecht.
Aber bitte, lasst mich endlich auch mal Sachen machen oder auch nicht machen, OHNE dass ich eine vernünftige Erklärung abliefern muss. Manchmal IST man einfach nur, ohne logische Gedanken.
Ich kann es nicht allen Recht machen. Ich kann es auch mir nicht immer Recht machen. Und genau DAS ist der Punkt, der mich am meisten wurmt. Denn es sollte anders sein. Und wer mich nicht versteht, soll es auch nicht erzwingen. Wer soll mich schon verstehen, wenn ich mich selbst nicht immer verstehen kann?
Hört auf mich unbewusst in eine Schiene zu pressen, in die ich nicht reinpasse, schon lange nicht mehr. Vielleicht hat sie nie gepasst. Wer weiß. Ich wirke anders, als ich „innerlich bin“. Das habe ich schon so oft festgestellt.
sternenwanderin - So, 17. Aug, 18:27

(Gorch Fock im Flensburger Hafen)
Gestern nach der Arbeit habe ich mich mit H. am Hafen getroffen, um noch ein bisschen über die "Nautics" zu gehen. Jede Menge tolle Segelschiffe, Stände und Live-Musik (Kieler Woche in Mini *g*). Und die Mondfinsternis haben wir auch gesehen.
So schön... Ich beneide die Matrosen, ich beneide die Leute, die physisch und materiell segeln können und das Wissen darüber haben... Mit solch einem "netten kleinen Boot" würde ich auch total gerne mal in See stechen...
Mich hat das Wasser, die Seefahrt schon immer mehr fasziniert, als z.B. das Fliegen. "Auf zu neuen Ufern..." das wär´s doch. Sich den Seewind um die Nase wehen lassen, auf tosender See und auch körperlich an seine Grenzen gehen müssen, dafür aber die Schönheit des Meeres genießen können... Hach ja...
...sail away, dream your dream...
Ich bin eben ein echtes Nordlicht, dass Wasser braucht... :)
(Ich hätte so gerne mehr Fotos gemacht, aber es wurde zu dunkel für meine Cam *schnief*)
Und heute ist das Wetter sooo schön, ich habe bis gerade eben geschlafen (Schlaf ist ja sooo genial) und werde gleich ein bisschen "klar Schiff machen" (siehste, da haben wir das nette kleine Boot wieder :P). Heute werde ich mich gar nicht stressen. Nein, ich werde das tun, wonach mir der Sinn steht, und wenn ich dazu komme, mache ich vielleicht was für die Examensarbeit. Aber ich werde mich nicht zwingen, dass bringt gar nichts und führt nur dazu, dass ich frustiert bin und blockiere. Alles zu seiner Zeit. Heute ist mal mein Tag.
sternenwanderin - So, 17. Aug, 11:43
So, es reicht jetzt. ICH HASSE ES!
Nachdem gestern meine Mutter mal wieder so glorreiche Sprüche zu meinem eventuellen Rücktritt vom Examen brachte („Naja, du willst es ja so, du willst ja soviel arbeiten, hast ja selbst Schuld“) und ich wohl einsehen muss, dass diese Frau niemals verstehen wird, dass man für seinen Lebensunterhalt nun mal arbeiten gehen muss, es sei denn man lebt vom Geld anderer. Aufgeregt hab ich mich darüber genug. Jetzt fangen allerdings auch noch meine Großeltern damit an.
„Ja, du musstest ja unbedingt studieren, ins Büro wolltest du ja nicht. Alle aus der Familie haben eine Ausbildung gemacht und wenn du das auch gemacht hättest, dann würdest du jetzt schon Geld verdienen.“
Ja, und im schlecht sitzenden Hosenanzug irgendwelche nörgelnden Kunden bedienen oder mir am PC den Arsch platt sitzen. Die Option „Büro“ gab es für mich noch nie. NIE NIE NIE.
Liebe Familie, ich weiß zumindest schon mal, was ich definitiv NICHT will, und das ist eine Arbeit im Büro, die nichts mit Kreativität zu tun hat. Ihr wusstet schon immer, dass ich andere Dinge im Kopf hatte, dass ich utopische Träume hatte, aber doch immer noch so viel Verstand, auch etwas Ordentliches zu tun. Und verdammt noch mal, ich habe mich doch bei euch nie beschwert, oder hab ich das? NEIN. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt immer noch selbst, und ja, ich DARF meckern, wenn ich am liebsten etwas anderes machen würde. Denn ich lebe von MEINEM Geld, nicht von eurem. Euch steht das nicht zu, schließlich habt ihr darin keine Aktien und ich entscheide was ich machen will. Ich kann, wenn ich will, auch mein ganzes Leben mit Teilzeitjobs vertrödeln, so lange ich dabei glücklich wäre, ist doch alles im Lot!
Ich war NIEMALS der Meinung „Hauptsache, gut bezahlt“. NIE würde ich so was auf Dauer machen, denn ich will eine Arbeit, an der mein Herz hängt und nicht meine Geldtasche. Ich wäre auf ewig deprimiert, wenn ich etwas für mich sinnloses machen müsste.
So wie es jetzt ist, ist es auch nicht das gelbe vom Ei, aber NA UND? Ich habe die Freiheit, immer wieder etwas Neues zu tun, wenn ich es so will.
Also bitte, hört auf euch über meine Entscheidungen (die im Übrigen noch nicht mal besonders aufregend sind) das Maul zu zerreißen.
Ich weiß, dass einige aus der Familie nicht so genau wissen, was Arbeit ist. Ich weiß, dass einige nicht wissen, wie anstrengend ein Studium ist. Und ja, ich habs mir so ausgesucht, aber ab einem gewissen Punkt war es zu spät, um aufzuhören. Alles andere wäre dumm. Wer weiß, ich habe daraus gelernt und vielleicht werde ich in Zukunft viel eher auf MICH hören, und mich nicht von anderen zu etwas überreden lassen.
Erst waren alle stolz „das Kind studiert, stellt euch das vor“, aber das das Kind dafür auch etwas tun muss, hat wohl irgendwie keiner so recht glauben wollen.
Ihr könnt mich alle mal, ich habe euch um nichts gebeten, außer vielleicht ein wenig Anteilnahme, ein offenes Ohr oder ein bisschen Mut. Ok, hat sich wohl erledigt. Aber vielleicht macht ihr euch endlich mal klar, dass ich mein Leben trotz allem selbst in der Hand habe und ich von niemandem abhängig bin. Spart euch eure altklugen Sprüche, wenn ihr einfach keine Ahnung habt. Das alles zeigt mir dreimal mehr, dass ich erstrecht etwas „Überkandideltes“, so wie ihr immer dazu sagt, machen werde. Noch (!) sehe ich mich nicht in einem „langweiligen“ Beruf, mag es euch passen oder nicht, und ob ich meine „Jahre verschenke“ oder nicht, ist ganz allein MEINE Sache. Ein kleinkariertes Leben, so wie ihr es euch vorstellt, ist momentan nicht mein Ziel und war es noch nie. Ja, ihr sagt oft „ich hänge mit dem Kopf wieder in anderen Sphären“ – dieses abgefuckte Spiesserleben ist nicht das, was ich will und solange ich noch nicht völlig abgestumpft bin, werde ich auch dagegen ankämpfen. Und solltet ihr mich in ein paar Jahren noch mal fragen, dann mag sich vielleicht meine Sichtweise geändert haben, wer weiß. Tatsache ist, dass ich jetzt im JETZT lebe. Ich erfülle meine Pflichten. Und danach werde ich zumindest mal versuchen, etwas von MIR zu verwirklichen. Wenn ihr nur doofe Sprüche habt, dann redet lieber gar nicht mit mir.
Danke.
sternenwanderin - Fr, 15. Aug, 20:21
Heute morgen war ich sowas von sauer auf meine Vögel, weil die solch einen Krach gemacht haben, dass man das mindestens bis Timbuktu hören und ich nicht mehr schlafen konnte, dass ich aus Wut mit geschlossenen Augen einen Luft-Boxer mit der linken Hand machen wollte. Hab ich auch. Aber nicht in der Luft. Volle Kanne hab ich mit dem Handgelenk meinen Nachttisch getroffen. Und mit „volle Kanne“ meine ich SO RICHTIG. Man sieht jetzt, ein paar Stunden später, nur einen minimal angeschwollenen, noch hellroten Streifen, der verdammt weh tut, wenn man ihn anfässt. Von den Schmerzen in dem Moment will ich hier gar nicht anfangen, wie blöd kann man eigentlich sein? Ich denke, das wird ein richtiger dunkler Fleck werden.
Irgendwie freunde ich mich immer mehr mit dem Gedanken an, vom Examen diesen Winter zurückzutreten. Ich meine, ich kann jederzeit zurücktreten, sogar noch 10 Minuten vor der Prüfung. Aber das ist trotzdem so eine Sache. Ich will meine Prüfer einfach nicht verlieren, ich möchte von denen geprüft werden… Das war sowieso schon anstrengend genug, sich die Prüfer überhaupt erstmal zu besorgen. Und ausserdem muss ich die Examensarbeit ja trotzdem jetzt schreiben, ich hätte nur etwas mehr Zeit- jetzt gerade in diesem Moment könnte ich mich darüber aufregen, wie schnell ich eine Seite füllen kann, wenn ich nichts für die Arbeit schreibe. Es geht so schnell, aber für die Sätze der Arbeit brauche ich Stunden. Stunden, die ich nicht habe. Ich muss einfach gucken, was sich ergibt, wann endlich mein Prof. aus dem Urlaub wieder da ist und was er mir dann an Verlängerung geben würde, wenn er könnte.
Ich muss gleich wieder arbeiten. Es nervt. Ich habe wieder mal nichts gemacht, ausser Wäsche abgehangen.
Gestern kam meine Schwester mit ihrem Freund überraschend vorbei. Sie hat mir aus meinem geliebten Berlin eine Schneekugel mitgebracht. Über so was könnte ich mich immer tagelang freuen. Das war irgendwie voll süß.
H.´s Eltern kommen gleich vorbei. Er schiebt voll die Panik, von wegen Aufräumen und so. Na, mir soll´s egal sein, mein Zimmer sieht aus, als hätte ´ne Bombe eingeschlagen. Gibt momentan wirklich wichtigeres. Ach echt? Wenn man damit sinnloses Nichtstun und Gedankenmachen meint, dann schon.
Das ist wie eine Sperre, die in mir sitzt. Irgendwas lässt mich nicht. Irgendwas hindert mich daran, auch wenn ich immer wieder an der Leine ziehe, komme ich kein Stück voran. Sowas hatte ich schon öfter, irgendwann gings dann plötzlich los. M. sagte mal zu mir, dass auch wenn es so aussieht, als wenn man nichts tut oder man nicht vorankommt, spielt sich im Hintergrund eine Menge ab. Aber auf diesen „Ausbruch“ zu warten wäre ziemlich bescheuert. Bisher war es so, ja, aber was wenn es diesmal nicht so ist?
Vielleicht sollte ich doch aufräumen und das altbewährte „Kopf frei räumen“ gleich mit anwenden.
Man, was mach ich bloß? Ich brauch einen Anfang, zumindest einen Anfang. Welcher Weg von da abgeht, ist erstmal egal.
Na ja, fast jedenfalls.
….. *grrrrrrrrr*
Aua, mein Arm.
sternenwanderin - Do, 14. Aug, 11:11
Es ist echt an der Zeit, mir ernsthafte Gedanken zu machen.
Ich spiele mit dem Gedanken mein Examen zu verschieben, es im Frühjahr zu machen, statt jetzt im Winter. Ich würde dann jetzt meine Examensarbeit begleitend schreiben, hätte mehr Zeit und nicht den Druck, auch noch die mündlichen Prüfungen irgendwie zu wuppen, die knapp im Anschluss anstehen. Die würde ich dann nächstes Semester machen.
Es hängt einiges an der Entscheidung. Ich werde mir Gedanken machen, aber so wie es jetzt ist kann es nicht weitergehen, ich werde noch verrückt. Und ich gehöre zu der Fraktion, die es sowieso nicht so eilig hat mit dem Referendariat… Ich bin immer noch jung genug und habe es persönlich nicht eilig. Außerdem könnte ich dann in Ruhe weiterarbeiten gehen und meine Finanzen klären, ohne den Prüfungsstress auch noch zu ertragen. Aber ich würde meine mündlichen Prüfer verlieren, was ziemlich ärgerlich wäre… Aber Themen habe ich soweit schon… Keine leichte Entscheidung, ich werde mir das gut überlegen, vor allem wäre das dann wirklich der letzte mögliche Termin, weil die Uni uns wegen dem neuen Studiengang quasi rausschmeißt… Mal sehen, mal sehen… Ich will mich jedenfalls nicht wieder so fertig machen… Habe mir heute schon so eine Art Beruhigungspillen geholt… Bekloppt, ich weiß… aber vielleicht helfen die ja doch ein wenig, so dass ich nicht jedes Mal so halbe Anfälle bekomme…
sternenwanderin - Mi, 13. Aug, 21:34
Aus H.´s Zimmer schallen laut deutsche Schlager, während aus der Küche das Geklapper von Töpfen zu hören ist.
J. sitzt in der Stube an ihrem Laptop und schreibt fleißig an ihrer Hausarbeit.
Geschäftiges Treiben in der WG.
Ich schließe mich im Zimmer ein und versuche irgendwie mit meiner eigenen Musik die kulinarischen Hörproben meines Mitbewohners zu überschallen.
Er ist irgendwie zufrieden, hat seine letzte Arbeit fertig gestellt, hat Urlaub und kann sich jetzt ganz der Examensarbeit widmen. Heute Nachmittag kriegt er Besuch, er will Kuchen backen, deswegen wird erstmal die Küche aufgeräumt, die es irgendwie auch verdammt nötig hat. Und sauer ist er auf mich. Kann ich auch nichts für, wenn der mal wieder ´nen Knoten im Höschen hat. Sind halt eine WG, daran muss er sich wohl erst gewöhnen. Ich wohne hier, und so teile ich mir auch meine Zeit ein, da ist es mir egal wenn der plötzlich nen Rappel kriegt und hier Putztag macht. Hätte er früher sagen sollen, schließlich hab ich sonst auch geputzt, ohne was von ihm zu verlangen.
Ich muss endlich anfangen diesen ganzen Druck zu ignorieren, zumindest in dem Maße, dass ich eins nach dem anderen mache. Ich kann nicht alles auf einmal machen, dass weiß ich auch, auch wenn ich es gerne könnte.
Diese Angst vor dem weißen Papier ist größer als ich dachte. Aber nur weil ich selbst so eingeschüchtert bin von dem, was ich machen soll.
Dabei weiß ich, dass ich es kann. Und ich weiß, dass ich es will, weil ich es mir selbst beweisen will. Und werde.
Und nicht alle da draußen glauben nicht an mich.
Einige liebe Menschen schicken mir immer wieder Kraft. Dafür danke ich euch.
Und ich hab so Sehnsucht nach dir. Nach einer Umarmung, nach einem Lächeln von dir, dass die Sonne aufgehen lässt. Ich freue mich so auf meinen Urlaub, ich würde am liebsten sofort losfahren… Und ich werde diszipliniert sein, meine Arbeit schreiben wenn du arbeitest. Doch dann kann ich mich darauf freuen, dass du abends nach Hause kommst… Wie du schon sagtest: Jeder Tag zählt.
Es ist so merkwürdig… dieses Gefühl… Was machst du mit mir?
Ich vermisse dich so…
sternenwanderin - Di, 12. Aug, 14:01
Ich kann nicht mehr. Habe mich heute morgen auf Arbeit krank gemeldet. Hatte schon wieder Bauchschmerzen und war so extrem platt. Ich war völlig rechtzeitig fertig heute morgen, stand in Arbeitsklamotten fertig in der Tür. Dann nahm ich den Hörer und rief an um mich abzumelden. Mich plagt so dermaßen das schlechte Gewissen, es ist unglaublich. Derjenige der heute morgen wegen mir alleine im Laden stand tut mir Leid. Und ich hab Angst das mir das negativ ausgelegt wird. Ich hasse sowas. Aber heute morgen ging es einfach nicht.
Gestern noch lästere ich über diese ganze scheiß-möchtegern-Studiererei und heute macht es mich fertig, dass ich es selbst bin, die diesen Druck nicht aushalten kann. So leicht ist es dann wohl doch nicht, sein Examen zu machen. Ich scheitere ja schon an dieser mikrigen Aufgabe.
H. hat Urlaub und "alle Zeit der Welt" seine Arbeit zu schreiben. Ich dagegen muss diese Woche an zwei Tagen mal wieder 7-17 Uhr arbeiten, danach geht nichts mehr. Und ich muss es einfach schaffen, ich MUSS meine Arbeit schaffen. Wieder hat man mir gesagt, dass ich das nicht schaffe. Verdammt nochmal, haltet endlich eure verdammte Fresse und hört auf mich schon vorher abzuschreiben.- Wenn das einer darf, dann bin ich das, und das mache ich momentan ja schon zur Genüge.
-Ich will raus, schreien, heulen, völlig ausrasten, meinen Koffer packen und für immer einfach abhauen, endlich weglaufen, mich völlig besinnunglos powern, aufhören zu denken und irgendwo völlig neu anfangen.
Das einzige, was ich nun wirklich schon IMMER wollte.- Manche Dinge ändern sich wohl nie.
Wieder dieses Gefühl, dieses sinnlos-sein, dieses selbst-versagen, dieses selbst-hassen;
der Gedanke an Resignation
der Gedanke an selbst-quälende Maßnahmen, damit ich meinen Arsch hochbekomme...
VERDAMMT, ICH HABE DOCH NOCH NICHT MAL WIRKLICH ANGEFANGEN.
und wie ich mich dafür hasse...
sternenwanderin - Mo, 11. Aug, 11:41